Nützliche Redemittel: Erörterung schreiben: Lineare und dialektische Struktur (C1)
Dieses Modul behandelt die zwei zentralen Aufbauformen der schriftlichen Erörterung: die lineare (steigernde) und die dialektische (kontroverse, Pro-und-Kontra) Argumentation. Ziel ist es, zu einer vorgegebenen Fragestellung eine logisch stringente, gut strukturierte und überzeugende schriftliche Auseinandersetzung zu verfassen.
Grundprinzip: Der Aufbau einer Erörterung (Einleitung – Hauptteil – Schluss)
Jede Erörterung, egal ob linear oder dialektisch, folgt diesem Grundschema. Die Unterschiede liegen im Aufbau des Hauptteils.
Teil A: Die lineare (steigernde) Erörterung
Anwendung: Bei Entscheidungsfragen, die nur eine Seite beleuchten (z.B. „Warum sollte man eine Fremdsprache lernen?“). Man argumentiert nur in eine Richtung und versucht, den Leser von dieser Position zu überzeugen.
1. Einleitung
- Funktion: Zum Thema hinführen, die Relevanz der Frage aufzeigen und die eigene Position (These) andeuten.
- Redemittel:
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- Die Frage nach der Notwendigkeit von […] gewinnt zunehmend an Bedeutung.
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- Angesichts von [aktueller Entwicklung] stellt sich die Frage, warum [Thema] eine sinnvolle Entscheidung ist.
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- Beispiel (Thema: Warum sollte man Sport treiben?): In unserer modernen, von sitzenden Tätigkeiten geprägten Gesellschaft gewinnt die Frage nach der Notwendigkeit regelmäßiger körperlicher Betätigung zunehmend an Bedeutung. Im Folgenden möchte ich darlegen, warum Sport ein unverzichtbarer Bestandteil eines gesunden Lebens ist.
2. Hauptteil (Steigernder Aufbau)
- Funktion: Eine Kette von Argumenten präsentieren, die alle die eigene These stützen. Die Argumente werden nach ihrer Wichtigkeit geordnet, vom schwächsten zum stärksten.
- Struktur:
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- Argument 1 (das „schwächste“) -> Begründung -> Beispiel
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- Argument 2 (stärker) -> Begründung -> Beispiel
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- Argument 3 (das stärkste, überzeugendste) -> Begründung -> Beispiel
- Redemittel zur Gliederung:
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- Ein erster, offensichtlicher Grund für […] ist […].
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- Wichtiger noch als dieser Aspekt erscheint mir jedoch […].
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- Der wohl entscheidendste und überzeugendste Grund, der für […] spricht, ist allerdings […].
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- Beispiel:
- Ein erster Grund für regelmäßigen Sport ist das verbesserte äußere Erscheinungsbild. (schwächeres Argument)
- Wichtiger noch ist der soziale Aspekt, den viele Mannschaftssportarten bieten. (stärkeres Argument)
- Der wohl entscheidendste Grund ist jedoch der unbestreitbare positive Einfluss auf die körperliche und geistige Gesundheit. (stärkstes Argument)
- Beispiel:
3. Schluss
- Funktion: Die Argumentation abrunden, die Kernaussagen zusammenfassen und die anfangs formulierte These bekräftigen.
- Redemittel: Fasst man die genannten Argumente – [Argument 1], [Argument 2] und vor allem [Argument 3] – zusammen, wird deutlich, dass […]
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- Beispiel: Fasst man die ästhetischen, sozialen und vor allem die gesundheitlichen Vorteile zusammen, wird deutlich, dass ein Leben ohne Sport kaum vorstellbar sein sollte.
Teil B: Die dialektische (kontroverse) Erörterung
Anwendung: Bei kontroversen Fragestellungen, die eine Abwägung von Pro und Kontra erfordern (z.B. „Sollte die Schule schon um 9 Uhr beginnen?“).
1. Einleitung
- Funktion: Die Kontroverse des Themas darstellen, die Fragestellung klar benennen und die bevorstehende Abwägung ankündigen.
- Redemittel: Die Frage, ob […], spaltet die Gemüter und wird kontrovers diskutiert. Im Folgenden sollen die Pro- und Kontra-Argumente gegeneinander abgewogen werden, um zu einem fundierten Urteil zu gelangen.
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- Beispiel (Thema: Schulbeginn um 9 Uhr): Die Frage, ob der Schulbeginn auf 9 Uhr verschoben werden sollte, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Um diese komplexe Thematik zu beleuchten, sollen im Folgenden die Argumente beider Seiten gegeneinander abgewogen werden.
2. Hauptteil (Pro-und-Kontra-Struktur)
- Funktion: Die Argumente der Gegenseite und der eigenen Seite systematisch darstellen. Zwei gängige Modelle:
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- Modell 1: Das „Block-Modell“ (Sanduhr-Prinzip)
- Block 1: Argumente der Gegenseite. Beginne mit dem stärksten Gegenargument und ende mit dem schwächsten.
- Überleitung: Nachdem die Argumente der Gegenseite dargelegt wurden, sollen nun die Argumente betrachtet werden, die für […] sprechen.
- Block 2: Argumente der eigenen Seite. Beginne mit dem schwächsten eigenen Argument und ende mit dem stärksten.
- Modell 1: Das „Block-Modell“ (Sanduhr-Prinzip)
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- Vorteil: Klar getrennt, einfach zu strukturieren.
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- Nachteil: Weniger direkte Auseinandersetzung.
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- Modell 2: Das „Ping-Pong-Modell“ (Reißverschluss-Prinzip)
- Argument der Gegenseite 1 -> Direkte Entkräftung mit dem passenden eigenen Argument 1.
- Argument der Gegenseite 2 -> Direkte Entkräftung mit dem passenden eigenen Argument 2.
- … und so weiter.
- Modell 2: Das „Ping-Pong-Modell“ (Reißverschluss-Prinzip)
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- Vorteil: Wirkt dynamischer und argumentativ stärker, da direkt auf Gegenpositionen reagiert wird.
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- Nachteil: Erfordert eine sehr gute Planung und logische Paarung der Argumente.
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- Redemittel zur Gegenüberstellung:
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- Befürworter einer solchen Regelung argumentieren, dass […].
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- Dem steht jedoch das Argument gegenüber, dass […].
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- Zwar trifft es zu, dass […], allerdings darf nicht übersehen werden, dass […].
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- Gegner des Vorschlags wenden ein, dass […]. Dieses Argument lässt sich jedoch entkräften, indem man bedenkt, dass […]
3. Schluss (Synthese)
- Funktion: Die Pro- und Kontra-Argumente abwägen, eine eigene, begründete Entscheidung treffen (Synthese) und eventuell einen Kompromiss oder Ausblick formulieren.
- Redemittel:
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- Wägt man die Pro- und Kontra-Argumente gegeneinander ab, so überwiegen meiner Meinung nach die Vorteile/Nachteile.
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- Obwohl die Gegenargumente nicht von der Hand zu weisen sind, überzeugen mich die Argumente für […] stärker.
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- Eine mögliche Kompromisslösung könnte darin bestehen, dass […]
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- Beispiel: Wägt man die organisatorischen Schwierigkeiten gegen die nachgewiesenen Vorteile für den Biorhythmus der Jugendlichen ab, so überwiegen meiner Meinung nach klar die Argumente für einen späteren Schulbeginn. Ein möglicher Kompromiss könnte ein flexibler Beginn zwischen 8:30 und 9:00 Uhr sein.
