Nützliche Redemittel: Wissenschaftssprache und Konnektoren verwenden (C1)
Dieses Modul dient als Werkzeugkasten zur Veredelung wissenschaftlicher und argumentativer Texte. Es konzentriert sich auf die stilistischen Merkmale der deutschen Wissenschaftssprache: objektive Formulierungen, nominalisierter Stil, komplexe Satzgefüge und der präzise Einsatz von Konnektoren zur logischen Verknüpfung von Gedanken.
1. Objektivität und Distanz schaffen (Unpersönliche Formulierungen)
Ziel: Subjektive Eindrücke vermeiden und eine sachliche, allgemeingültige Perspektive einnehmen.
- Vermeiden: Ich finde…, Meiner Meinung nach… (außer in der expliziten Stellungnahme im Schlussteil)
- Stattdessen verwenden:
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- Unpersönliche Pronomen: Es lässt sich feststellen, dass… / Man kann davon ausgehen, dass…
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- EN: It can be stated that… / One can assume that…
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- Beispiel: Statt Ich sehe, dass viele Leute das Internet nutzen. -> Es lässt sich feststellen, dass die Internetnutzung weit verbreitet ist.
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- Passivkonstruktionen: Es wird angenommen, dass… / In der Studie wurde gezeigt, dass…
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- EN: It is assumed that… / In the study it was shown that…
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- Beispiel: Statt Der Autor zeigt die Vorteile. -> Die Vorteile werden (vom Autor) aufgezeigt.
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- Formulierungen mit „sich lassen“: Diese Tendenz lässt sich beobachten.
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- EN: This tendency can be observed.
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- Beispiel: Aus den Daten lässt sich ableiten, dass…
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2. Präzision und Informationsdichte erhöhen (Nominalstil)
Ziel: Komplexe Sachverhalte kompakt und präzise ausdrücken, indem Verben und Adjektive in Nomen umgewandelt werden.
- Grundprinzip: Verb -> Nomen, oft mit Genitiv- oder Präpositionalattributen.
- Beispiele:
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- Verbalstil: Die Zahl der Studierenden steigt, weil die Regierung die Bildungspolitik geändert hat. (eher mündlich)
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- Nominalstil: Der Anstieg der Studierendenzahlen ist auf eine Änderung der Bildungspolitik seitens der Regierung zurückzuführen. (wissenschaftlich, präzise)
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- Verbalstil: Wenn man die Daten analysiert, erkennt man einen Trend.
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- Nominalstil: Die Analyse der Daten lässt einen klaren Trend erkennen.
- Typische Nominalisierungssuffixe: -ung, -heit, -keit, -schaft, -ion, -ismus
- Typische Strukturen:
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- Die Untersuchung von…
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- Die Abhängigkeit von…
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- Der Mangel an…
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- Die Notwendigkeit von…
Tipp (Hinweis):
- DE: Der Nominalstil ist ein zentrales Merkmal der deutschen Wissenschafts- und Verwaltungssprache. Setzen Sie ihn gezielt ein, um präzise zu sein, aber übertreiben Sie es nicht, sonst wird der Text schwer lesbar. Eine gute Mischung aus Verbal- und Nominalstil ist ideal.
- EN: The nominal style is a key feature of German academic and administrative language. Use it purposefully to be precise, but don’t overdo it, or the text will become difficult to read. A good mix of verbal and nominal style is ideal.
3. Komplexe Gedanken logisch verknüpfen (Konnektoren und Satzverbindungen)
Ziel: Den „roten Faden“ im Text sichtbar machen und die logische Beziehung zwischen Sätzen und Satzteilen explizit darstellen.
- Kausale Beziehungen (Grund/Folge):
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- aufgrund von (+ Gen), infolge von (+ Gen), wegen (+ Gen): Aufgrund des technologischen Fortschritts…
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- daher, deshalb, infolgedessen, demzufolge: Die Nachfrage ist gestiegen, infolgedessen müssen die Preise angepasst werden.
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- da, weil (subordinierend): …, da neue Märkte erschlossen wurden.
- Konzessive Beziehungen (Einräumung/Gegensatz):
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- obwohl, obgleich, wenngleich (subordinierend): Obwohl Bedenken geäußert wurden, …
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- trotz (+ Gen): Trotz der offensichtlichen Risiken…
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- dennoch, trotzdem, allerdings: Die Ergebnisse sind positiv, dennoch ist Vorsicht geboten.
- Adversative Beziehungen (Gegensatz):
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- während, wohingegen (subordinierend): Während die einen die Chancen betonen, warnen die anderen vor den Gefahren.
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- einerseits …, andererseits …: Einerseits führt die Globalisierung zu Wohlstand, andererseits verstärkt sie die Ungleichheit.
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- im Gegensatz zu: Im Gegensatz zur landläufigen Meinung…
- Konditionale Beziehungen (Bedingung):
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- falls, sofern, wenn (subordinierend): Falls die nötigen Mittel bereitgestellt werden, …
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- unter der Bedingung, dass…: Das Experiment kann gelingen, unter der Bedingung, dass die Temperatur konstant bleibt.
- Modale Beziehungen (Art und Weise):
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- indem (subordinierend): Man löst das Problem, indem man die Ursachen analysiert.
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- dadurch, dass…: Die Effizienz wurde dadurch gesteigert, dass neue Prozesse eingeführt wurden.
- Temporale Beziehungen (Zeit):
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- bevor, nachdem, seitdem, während: Nachdem die Studie abgeschlossen war, wurden die Ergebnisse veröffentlicht.
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- zunächst, anschließend, daraufhin, schließlich: Zunächst werden die Daten erhoben, anschließend werden sie ausgewertet.
