Eine der wichtigsten Regeln im deutschen Sozialleben ist die Unterscheidung zwischen „Du“ und „Sie“. Die „Sie“-Form ist die formelle und höfliche Anrede. Man benutzt sie für fremde Erwachsene, bei der Arbeit (besonders gegenüber Vorgesetzten), in Geschäften und auf Ämtern. Die „Du“-Form ist informell und persönlich. Man benutzt sie für die Familie, für Freunde, für Kinder und oft auch für Kollegen, mit denen man gut befreundet ist. Als Lernender ist es immer sicher, zuerst „Sie“ zu benutzen. Die ältere oder ranghöhere Person bietet normalerweise das „Du“ an.
Bei der Begrüßung ist in formellen Situationen ein kurzer, fester Händedruck üblich, während man sich in die Augen schaut. Unter Freunden oder jungen Leuten ist auch eine Umarmung normal. Küsschen auf die Wange zur Begrüßung, wie in Südeuropa, sind eher unüblich und nur unter sehr guten Freunden oder in der Familie verbreitet.
Das Bild der Familie hat sich in Deutschland stark verändert. Die traditionelle Familie mit Vater, Mutter und zwei Kindern ist immer noch häufig, aber längst nicht mehr die einzige Form. Es gibt immer mehr Alleinerziehende, Paare ohne Kinder und „Patchwork-Familien“, bei denen Partner Kinder aus früheren Beziehungen mitbringen. Die meisten jungen Leute ziehen aus dem Elternhaus aus, wenn sie eine Ausbildung beginnen oder studieren. Die familiären Bindungen sind aber trotzdem oft sehr eng.
Regionale Besonderheit
Während in den meisten Teilen Deutschlands die Begrüßung zwischen Freunden und Bekannten ein einfaches „Hallo“ oder „Hi“ ist, gibt es im Süden ganz eigene, herzlichere Traditionen. In Bayern und Österreich ist der Gruß „Servus“ sehr verbreitet. Man kann es sowohl zur Begrüßung („Hallo“) als auch zum Abschied („Tschüss“) benutzen. Es kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Diener“ – also „Ich bin Ihr Diener“ im Sinne von „Zu Diensten“. Heute ist es aber einfach ein freundlicher, alltäglicher Gruß.
Wusstest du schon?
In vielen modernen Start-up-Firmen und in der IT-Branche ist es heute völlig normal, dass alle Mitarbeiter, auch der Chef, sich gegenseitig mit „Du“ ansprechen. Diese „Duz-Kultur“ kommt aus dem Englischen, wo es nur „you“ gibt, und soll eine flache Hierarchie und eine lockere Arbeitsatmosphäre zeigen. In traditionellen Unternehmen wie Banken oder Versicherungen wäre das aber undenkbar!
