Goethe Zertifikat B1: Sprechen Teil 1- Redemittel und Beispiele
Teil 1: Die Bewertungskriterien – Was wollen die Prüfer wirklich von euch sehen und hören?
Wenn man versteht, was bewertet wird, kann man sich gezielt darauf vorbereiten. Hier ist eine einfache Erklärung:
1. Erfüllung & Interaktion (Task Fulfillment & Interaction)
- Was bedeutet das? Habt ihr die Aufgabe verstanden und alle Punkte besprochen? Sprecht ihr wirklich miteinander oder nur aneinander vorbei?
- Wie bekomme ich die volle Punktzahl?
- Aktiv sein: Du sprichst über alle Stichpunkte (z.B. Wann?, Wie?, Was?).
- Vorschläge machen: Du sagst nicht nur „Ja“, sondern bringst eigene Ideen ein. („Ich schlage vor, dass wir…“)
- Reagieren: Du hörst deinem Partner zu und reagierst auf seine Ideen. Du stimmst zu, stimmst teilweise zu oder machst einen Gegenvorschlag.
- Ziel: Ihr findet am Ende eine gemeinsame Lösung. Es ist ein echtes Gespräch!
- Was sollte ich vermeiden ?
- Nur einen oder zwei Punkte besprechen.
- Keine eigenen Ideen haben.
- Nicht auf den Partner eingehen (monologue-style speaking).
2. Wortschatz (Vocabulary)
- Was bedeutet das? Benutzt du die richtigen Wörter für das Thema? Ist dein Wortschatz abwechslungsreich?
- Wie bekomme ich die volle Punktzahl?
- Du benutzt passende Wörter zum Thema (z.B. bei „Krankenhaus“: Geschenk, besuchen, abholen, gute Besserung, sich erholen).
- Du wiederholst nicht immer dieselben einfachen Wörter, sondern zeigst, dass du Synonyme oder Umschreibungen kennst.
- Was sollte ich vermeiden?
- Sehr einfache, begrenzte Wörter benutzen.
- So viele Fehler bei der Wortwahl machen, dass man dich nicht mehr versteht.
3. Strukturen (Grammar & Syntax)
- Was bedeutet das? Wie gut ist deine Grammatik? Baust du einfache oder auch komplexere Sätze (z.B. mit weil, dass, obwohl)?
- Wie bekomme ich die volle Punktzahl?
- Du benutzt verschiedene Satzstrukturen (Hauptsätze, Nebensätze).
- Du machst nur wenige Grammatikfehler, und diese Fehler stören das Verständnis nicht. (Ein kleiner Fehler beim Artikel ist okay!)
- Was sollte ich vermeiden?
- Nur kurze, einfache Sätze bilden.
- Viele Grammatikfehler machen, sodass der Prüfer nicht mehr versteht, was du sagen willst.
4. Aussprache (Pronunciation)
- Was bedeutet das? Sprichst du klar und verständlich?
- Wie bekomme ich die volle Punktzahl (Spalte A)?
- Deine Aussprache ist klar und natürlich. Man kann dir ohne Anstrengung folgen.
- Was sollte ich vermeiden (Spalte C/D)?
- So undeutlich sprechen, dass man oft nachfragen muss oder dich gar nicht versteht.
Zusammenfassung:
Es geht nicht darum, perfekt zu sein! Es geht darum, zu kommunizieren.
Ein aktives Gespräch mit kleinen Fehlern ist viel besser als ein perfekter Satz, der nicht zur Situation passt.
Teil 2: Der Prüfungsteil „Gemeinsam etwas planen“ – Eine Anleitung zum Erfolg
In diesem Teil plant ihr gemeinsam mit eurem Partner/eurer Partnerin eine Aktivität. Das Ziel ist es, zu zeigen, dass ihr im Alltag auf Deutsch eine Situation organisieren könnt.
Analyse des Themas: „Besuch im Krankenhaus und Hilfe planen„
- Situation: Ein Mitschüler hatte einen Unfall, ist im Krankenhaus.
- Aufgabe 1: Ihr wollt ihn diese Woche besuchen und ein Geschenk mitbringen.
- Aufgabe 2: Er kommt nächste Woche nach Hause und braucht Hilfe, weil er allein lebt.
- Schlüsselwörter (Stichpunkte): Wann besuchen?, Wie hinkommen?, Was mitnehmen?, Wie helfen?
Effiziente Strategie für ein erfolgreiches Gespräch:
Das Gespräch sollte eine klare Struktur haben. Denkt an einen Anfang, einen Hauptteil und einen Schluss.
- Einleitung (ca. 20 Sekunden): Beginnt das Gespräch. Begrüßt euren Partner, sprecht die Situation an und macht klar, was das Ziel ist.
- Hauptteil (ca. 2 Minuten): Das ist der Kern des Gesprächs. Arbeitet die Stichpunkte der Reihe nach ab.
- Nehmt den ersten Punkt: „Wann besuchen?“.
- Macht einen Vorschlag: Einer von euch startet mit einer Idee.
- Reagiert auf den Vorschlag: Der andere stimmt zu, macht einen Gegenvorschlag oder modifiziert die Idee.
- Findet eine Einigung: „Okay, super, dann machen wir das am Samstag um 15 Uhr.“
- Geht zum nächsten Punkt: „So, jetzt müssen wir überlegen, wie wir hinkommen.“ Wiederholt diesen Prozess für alle Punkte.
- Schluss (ca. 30 Sekunden): Fasst die wichtigsten Ergebnisse eures Plans kurz zusammen und beendet das Gespräch freundlich.
Pro-Tipp: Seid die Person, die die Struktur vorgibt! Wenn ihr sagt: „Okay, super, dann haben wir das geklärt. Kommen wir zum nächsten Punkt: Was wollen wir mitnehmen?“, zeigt ihr dem Prüfer, dass ihr das Gespräch führen könnt.
Teil 3: Die ultimative Redemittel-Sammlung für „Gemeinsam etwas planen“
Hier sind die Sätze, die ihr üben und in der Prüfung benutzen solltet. Redemittel (useful phrases) sind eure besten Freunde!
A. Einleitung (Starting the conversation)
- „Hallo [Name des Partners/der Partnerin], du hast gehört, dass [Name des Mitschülers] im Krankenhaus ist, oder?“
- „Hallo [Name], wir müssen unbedingt planen, wann und wie wir [Name des Mitschülers] besuchen.“
- „Tag [Name]. Sollen wir mal besprechen, wie wir [Name des Mitschülers] helfen können?“
B. Hauptteil (The main planning part)
1. Einen Vorschlag machen (Making a suggestion)
- Zu „Wann besuchen?“:
- „Wann hättest du denn Zeit?“
- „Ich schlage vor, wir besuchen ihn am Samstag.“
- „Was hältst du davon, wenn wir uns am Freitagnachmittag treffen?“
- „Wir könnten ihn doch am Wochenende besuchen, da haben die meisten Leute Zeit.“
- Zu „Wie hinkommen?“:
- „Wie kommen wir am besten dorthin?“
- „Ich könnte mit dem Auto fahren. Soll ich dich abholen?“
- „Vielleicht nehmen wir den Bus? Die Linie 10 fährt direkt zum Krankenhaus.“
- Zu „Was mitnehmen?“:
- „Was bringen wir ihm denn als Geschenk mit?“
- „Ich habe eine Idee: Wir könnten ihm ein gutes Buch und etwas Obst kaufen.“
- „Sollen wir zusammen Geld sammeln und ihm einen Gutschein schenken?“
- Zu „Wie helfen?“:
- „Wir müssen auch überlegen, wie wir ihm helfen können, wenn er wieder zu Hause ist.“
- „Ich könnte für ihn einkaufen gehen. Was meinst du?“
- „Vielleicht können wir einen Plan machen? Ich könnte montags und mittwochs für ihn kochen, und du vielleicht dienstags und donnerstags?“
2. Auf einen Vorschlag reagieren (Reacting to a suggestion)
- Zustimmung (Agreement):
- „Ja, das ist eine sehr gute Idee!“
- „Super, das finde ich auch.“
- „Einverstanden. So machen wir das.“
- „Du hast recht, das ist am besten.“
- Teilweise Zustimmung / Modifikation (Partial agreement / Modification):
- „Das ist ein guter Punkt, aber wir sollten auch bedenken, dass…“
- „Samstag ist prinzipiell gut, aber ich kann erst ab 15 Uhr.“
- „Ein Buch ist eine gute Idee. Vielleicht sollten wir vorher fragen, was er gerne liest?“
- Ablehnung & Gegenvorschlag (Disagreeing & making a counter-proposal):
- „Das finde ich nicht so gut, weil er vielleicht schon viele Bücher hat.“
- „Ich bin mir nicht sicher. Wäre es nicht besser, wenn wir ihm etwas zu essen mitbringen?“
- „Ich habe einen anderen Vorschlag: Statt Obst könnten wir ihm seine Lieblingsschokolade mitbringen.“
3. Aufgaben verteilen und sich einigen (Assigning tasks and reaching an agreement)
- „Okay, wer macht was?“
- „Gut, dann halten wir fest: Wir treffen uns am Samstag um 15 Uhr.“
- „Könntest du das Buch besorgen? Dann kaufe ich das Obst.“
- „Perfekt, dann ist alles geklärt.“
C. Schluss (Ending the conversation)
- „Super, dann haben wir ja alles geplant.“
- „Okay, dann fassen wir kurz zusammen: Wir besuchen ihn am Samstag um 15 Uhr, fahren mit meinem Auto und bringen ihm ein Buch und Obst mit. Ich kümmere mich um das Obst, du dich um das Buch. Einverstanden?“
- „Prima. Dann bis Samstag!“
- „Ich freue mich. Bis dann!“
Teil 4: Spezial-Tipp – Wie stelle ich gute Fragen mit den Stichpunkten?
Die Stichpunkte sind oft W-Fragen (wo, wann, was, wie…). Eure Aufgabe ist es, daraus natürliche Konversationsfragen zu machen. Wechselt zwischen offenen W-Fragen und geschlossenen Ja/Nein-Fragen.
Stichpunkt: Wann besuchen?
- W-Frage (offen):
- „Wann haben wir denn beide Zeit, ihn zu besuchen?“
- „An welchem Tag würde es dir am besten passen?“
- Ja/Nein-Frage (macht schon einen Vorschlag):
- „Hast du am Samstag Zeit?“
- „Sollen wir ihn vielleicht am Wochenende besuchen?“
Stichpunkt: Wie hinkommen?
- W-Frage (offen):
- „Wie kommen wir denn am besten zum Krankenhaus?“
- „Welches Verkehrsmittel sollen wir nehmen?“
- Ja/Nein-Frage (macht schon einen Vorschlag):
- „Fahren wir mit dem Bus?“
- „Können wir mit deinem Auto fahren?“
Stichpunkt: Was mitnehmen?
- W-Frage (offen):
- „Was sollen wir ihm denn als Geschenk mitbringen?“
- „Was meinst du, worüber würde er sich freuen?“
- Ja/Nein-Frage (macht schon einen Vorschlag):
- „Sollen wir ihm ein paar Zeitschriften kaufen?“
- „Ist ein Buch eine gute Idee?“
